Infos zu Cannabis
Grundlagenwissen zu Pflanze, Wirkung und Risiken.
Einleitung
Cannabis (Hanf) wird seit Jahrtausenden als Nutzpflanze verwendet, unter anderem für die Herstellung von Seilen, Stoffen, Papier oder Öle. Zudem fand die Pflanze früh medizinische und rituelle Anwendung, beispielsweise zur Schmerzbehandlung, bei Epilepsie oder Entzündungen.
Als Rauschmittel werden traditionell die Blüten der weiblichen Hanfpflanze, daraus hergestelltes Haschisch (Harzextrakte) sowie Cannabisöle genutzt. Cannabis ist weltweit – und auch in der Schweiz – die am häufigsten konsumierte illegale Substanz.
Zahlen
- Rund 8 % der schweizerischen Bevölkerung zwischen 15 und 64 Jahren haben gemäss einer repräsentativen Befragung im Jahr 2022 in den letzten 12 Monaten Cannabis konsumiert.
- Rund 4 % gaben an, in den letzten 30 Tagen Cannabis konsumiert zu haben und gelten damit als regelmässige Konsumierende.
- Hochgerechnet entspricht dies rund 222'000 Personen in der Schweiz.
- Der Konsum ist bei Männern und Jugendlichen deutlich häufiger verbreitet.
Wirkung
THC bindet an Cannabinoid-Rezeptoren, die sich vor allem im Gehirn befinden. Diese Rezeptoren steuern verschiedene Funktionen wie Merkfähigkeit, Zeitwahrnehmung, Hungergefühl, Koordination und Bewegungen – und werden durch den Cannabiskonsum unmittelbar beeinflusst.
Cannabis enthält über 400 Inhaltsstoffe. Rund 100 davon zählen zu den Cannabinoiden, die für die pharmakologischen und psychoaktiven Wirkungen verantwortlich sind.
Zu den bekanntesten und am besten erforschten Cannabinoiden gehören:
THC (Tetrahydrocannabinol)
Hauptsächlich verantwortlich für die psychoaktive Wirkung.
CBN (Cannabinol)
Leicht psychoaktiv, jedoch deutlich schwächer wirksam als THC.
CBD (Cannabidiol)
Nicht psychoaktiv, beeinflusst jedoch die THC-Wirkung, wirkt neuroprotektiv und antipsychotisch.
CBG (Cannabigerol)
Nicht psychoaktiv; Vorläufer vieler anderer Cannabinoide; medizinisch vielversprechend.
Aufgrund der komplexen Zusammensetzung von Cannabis sind viele Wirkungsweisen und Risiken noch nicht vollständig geklärt. Aus diesem Grund wird Cannabis in der Medizin weiterhin zurückhaltend eingesetzt.
Die Wirkung von Cannabis hängt neben der Produktzusammensetzung und Dosierung stark von individuellen Faktoren, der aktuellen psychischen und körperlichen Verfassung, der Umgebung sowie der Konsumform ab.
Typische psychische Effekte
Euphorie, Intensivierung der Sinne, verstärkte Gefühle, Gelassenheit, verändertes Raum- und Zeitempfinden.
Typische körperliche Effekte
Rötung der Augen, Mundtrockenheit, Blutdruckveränderungen, erhöhte Herzfrequenz, Muskelentspannung, Müdigkeit, gesteigerter Appetit.
Risiken
Akute Risiken
Psychisch
Cannabis kann die Konzentrations- und Merkfähigkeit beeinträchtigen und die Reaktionsgeschwindigkeit verlangsamen. Durch ein verändertes Raum- und Zeitempfinden kann es zu Fehleinschätzungen und Fehlreaktionen kommen. Psychische Überforderung, Verwirrtheit sowie Angst-, Panik- oder Wahnzustände können auftreten. Es besteht zudem das Risiko einer substanzinduzierten akuten Psychose.
Körperlich
Zu möglichen körperlichen Effekten gehören Übelkeit, Erbrechen, Kreislaufprobleme, übermässiges Hungergefühl, Kälteempfinden, starke Müdigkeit, Zittern, Bewegungsstörungen und Schwindel. Da die Toxizität natürlicher Cannabisprodukte gering ist, besteht ein niedriges Risiko für schwere Vergiftungen. Beim Konsum synthetischer Cannabinoide ist dieses Risiko jedoch erheblich erhöht.
Langzeitrisiken
Psychisch
Häufiger Cannabiskonsum kann zu folgenden Symptomen führen: Beeinträchtigung des Kurzzeitgedächtnisses, Motivations- und Interessenverlust, Aktivitätsverminderung, Realitätsveränderung sowie psychotische Symptome. Eine psychische Abhängigkeit kann sich entwickeln. Beim abrupten Konsumstopp können unter anderem vermehrtes Schwitzen, Hitze- und Kälteschauer, Appetitverlust, Schlafprobleme und Reizbarkeit auftreten. Wird Cannabis mit Tabak gemischt, besteht zudem das Risiko einer Nikotinabhängigkeit. Bei entsprechender genetischer Anfälligkeit kann häufiger Cannabiskonsum das Ausbrechen einer veranlagten Schizophrenie begünstigen oder beschleunigen.
Körperlich
Langfristiger Konsum – insbesondere beim Rauchen – erhöht das Risiko für Atemwegsbeschwerden wie Bronchitis oder Entzündungen der Luftröhre und Lunge. Beim Mischkonsum mit Tabak kommen zusätzliche tabakspezifische Risiken wie Kehlkopf- oder Lungenkrebs hinzu. Da Cannabisrauch oft tiefer inhaliert und länger in der Lunge gehalten wird als Zigarettenrauch, gelangen höhere Mengen an Schadstoffen wie Kohlenmonoxid und Teer in die Atemwege. Zu den Langzeitrisiken von E-Liquids gibt es derzeit noch keine ausreichenden wissenschaftlichen Erkenntnisse.